Verdauungsleistung

Oxalat, Salicylat, Lektine: versteckte Übeltäter oder Internet-Mythos?

Wo diese Pflanzenstoffe wirklich Probleme machen, etwa bei Nierensteinen, nach Darmoperationen oder bei rohen Bohnen, und warum Verbotslisten zu „Oxalat-Dumping“ und Lektinen dem Darm eher schaden.

Wie sicher ist die Forschung? Vertrauens-Score 3 von 5:Vielversprechend

Gut belegt sind die echten medizinischen Situationen: Calciumoxalat-Steine, Oxalat-Überschuss bei Fettverdauungsstörungen und Vergiftungen durch rohe Bohnen. Für Oxalat-Dumping, eine verbreitete Salicylat-Unverträglichkeit oder Schäden durch gekochte Lektine gibt es keine Belege.

Gesunder Zustand

Pflanzen bilden viele Abwehrstoffe gegen Fraßfeinde. Drei davon werden zurzeit oft als versteckte Ursache für Darmbeschwerden genannt: Oxalat Pflanzenstoff, etwa in Spinat, Rhabarber und Nüssen. Bindet im Darm an Calcium und wird ausgeschieden. Zu viel davon im Urin kann Nierensteine bilden. , etwa in Spinat, Mangold, Rhabarber, Mandeln und Kakao; Salicylat, chemisch verwandt mit dem Wirkstoff von Aspirin, in Obst, Gemüse und Gewürzen; und Lektine, zuckerbindende Eiweiße, besonders in Hülsenfrüchten und Getreide. Eine Übersicht zu solchen „Antinährstoffen“ kommt zu dem Schluss, dass in üblichen Mengen und richtig zubereitet die Vorteile pflanzenreicher Kost überwiegen.

Oxalat bindet im Darm an Calcium aus derselben Mahlzeit. Das Calciumoxalat ist unlöslich und wird mit dem Stuhl ausgeschieden. Nur ein kleiner Teil des freien Oxalats wird aufgenommen und über die Nieren ausgeschieden. Manche Darmbakterien, etwa Oxalobacter formigenes, bauen Oxalat ab. Menschen mit wiederkehrenden Calciumoxalat-Steinen trugen dieses Bakterium in einer Studie seltener (17 Prozent) als Menschen ohne Steine (38 Prozent). Nach bestimmten Antibiotika war es seltener nachweisbar.

Salicylat kommt im Essen nur in kleinen Mengen an. In einer Studie mit Menschen von vier Kontinenten schieden alle mit gemischter Kost nur rund 10 Mikromol Salicylat am Tag im Urin aus, also wenige Milligramm. Eine niedrig dosierte Aspirin-Tablette enthält ein Vielfaches davon.

Lektine werden durch Einweichen und gründliches Kochen unwirksam. Die europäische Lebensmittelbehörde EFSA kam 2026 zu dem Schluss, dass richtig verarbeitete Lebensmittel kein Gesundheitsrisiko darstellen. Hülsenfrüchte gehören zu den Lebensmitteln mit dem besten Ruf: In einer Beobachtungsstudie an 785 älteren Menschen in vier Ländern sank das Sterberisiko um 7 bis 8 Prozent je 20 g Hülsenfrüchte mehr am Tag.

OxalatCalciummit dem Stuhl hinausBohnen gekocht: Lektine harmlos
Im Darm bindet Calcium das Oxalat, und es geht mit dem Stuhl hinaus. Gekochte Bohnen sind harmlos, denn Kochen macht ihre Lektine unwirksam.

Gestörter Zustand: Ursachen und Folgen

Oxalat wird bei Nierensteinen wirklich wichtig. Die meisten Nierensteine bestehen aus Calciumoxalat. Der häufige Fehler: Calcium meiden. In einer Studie über fünf Jahre mit 120 Männern mit wiederkehrenden Steinen bekamen bei normaler Calciummenge, wenig Salz und weniger tierischem Eiweiß 12 von 60 erneut Steine, bei calciumarmer Kost 23 von 60. Unter calciumarmer Kost stieg das Oxalat im Urin sogar, weil weniger Calcium im Darm zum Binden da war.

Ein echtes und unterschätztes Problem ist die enterische Hyperoxalurie. Wenn Fett nicht richtig aufgenommen wird, etwa bei Morbus Crohn mit Befall oder Entfernung des Dünndarms, bei Kurzdarm, chronischer Bauchspeicheldrüsen-Schwäche oder nach bestimmten Magenbypass-Operationen, binden die Fettsäuren das Calcium. Das Oxalat bleibt frei und wird im Dickdarm vermehrt aufgenommen. Folgen sind Nierensteine und im schweren Fall Nierenschäden bis zum Nierenversagen. Behandelt wird die Grunderkrankung, mit oxalat- und fettarmer Kost und Calcium zu den Mahlzeiten. Ob das Steine und Nierenschäden verhindert, ist noch nicht gut belegt.

Zu viel des Guten gibt es auch. Es gibt Fallberichte von akutem Nierenversagen durch täglich große Mengen grüner Säfte oder Smoothies. Ein 68-jähriger Mann nahm mit Spinatsäften etwa 1500 mg Oxalat am Tag auf, rund das Zehnfache üblicher Kost, und blieb danach auf Dialyse angewiesen. Das ist selten, aber ein Grund, Pflanzen abwechselnd zu essen statt eine einzelne Pflanze in konzentrierter Form zu sich zu nehmen.

„Oxalat-Dumping“ ist dagegen ein Internet-Begriff. Gemeint ist, dass beim Weglassen von Oxalat gespeichertes Oxalat aus dem Gewebe ausgeschwemmt werde und Beschwerden mache. Eine Suche in der Fachdatenbank Europe PMC ergab dazu keine einzige Studie. Eine oxalatarme Kost ohne Nierensteine oder nachgewiesenen Oxalat-Überschuss hat keinen belegten Nutzen, man verzichtet dafür aber auf viele gesunde Pflanzen.

Eine Salicylat-Unverträglichkeit wird vor allem bei Menschen vermutet, die auf Aspirin und ähnliche Schmerzmittel reagieren, etwa mit Asthma und Nasenpolypen. Die Belege für eine Diät sind dünn: In einer Randomisierte Studie Eine Studie, in der das Los entscheidet, wer die Behandlung bekommt und wer zum Vergleich nicht. Das macht Ergebnisse besonders verlässlich. mit nur 7 Teilnehmenden besserten sich Nasenbeschwerden unter salicylatarmer Kost etwas, das Salicylat im Urin unterschied sich aber nicht. Es gibt keinen verlässlichen Test. Für Darmbeschwerden haben wir keine kontrollierte Studie gefunden. Eine Übersicht warnt, dass Diäten gegen mehrere „Lebensmittelchemikalien“ leicht zu Mangel führen.

Lektine sind bei rohen oder halbgaren Bohnen ein echtes Risiko. Rote Kidneybohnen enthalten viel Phytohämagglutinin; schon wenige ungenügend gegarte Bohnen können nach ein bis drei Stunden heftiges Erbrechen und Durchfall auslösen. 2018 erkrankten in einer Kantine in Frankreich 200 Menschen an einem Chili con carne mit nicht durchgegarten Bohnen. Die EFSA sieht genau hier, bei untergegarten Bohnen, ein Gesundheitsrisiko.

Die Behauptung aus Büchern wie „The Plant Paradox“, Lektine aus gekochten Hülsenfrüchten, Vollkorn oder Tomaten machten den Darm durchlässig und lösten Entzündungen aus, ist dagegen nicht belegt. Die Befunde stammen aus Zellversuchen und Tierversuchen mit aktiven Lektinen; die EFSA nennt fehlende Langzeitdaten am Menschen als Lücke. Wer deswegen Hülsenfrüchte und Vollkorn meidet, verliert wichtige Ballaststoffquellen.

Fett bindet Calciumfreies OxalatNierensteinerohe Bohnen: giftig
Bei Fettverdauungsstörungen bindet Fett das Calcium, freies Oxalat geht zur Niere. Rohe Bohnen vergiften.

Was oft hilft

Lebensstil

Ernährung, Bewegung, Schlaf, Kontakte und Stressumgang.

  • Bohnen richtig garen Getrocknete Bohnen über Nacht einweichen, das Wasser weggießen und in frischem Wasser sprudelnd kochen, bis sie ganz weich sind. Dosenbohnen sind bereits gegart. Rohe oder nur angewärmte Kidneybohnen nicht essen. Gut belegt So bewerten wir die Studienlage Gesichert Empfehlung in ärztlichen Leitlinien oder mehrere übereinstimmende Meta-Analysen randomisierter Studien am Menschen. Gut belegt Mehrere randomisierte Studien am Menschen mit überwiegend gleichem Ergebnis. Vielversprechend Einzelne randomisierte oder kontrollierte Studien am Menschen, noch nicht unabhängig bestätigt – oder viele übereinstimmende Beobachtungsstudien. Plausibel Zwei Fälle: erste Beobachtungs- oder Pilotstudien mit kleinen Fallzahlen – oder eine gesicherte Grundlage, die fachlich unbestritten ist, etwa Bewegung, Schlaf oder Esspausen. Am Menschen aber nicht an Beschwerden geprüft. Experimentell Am Menschen kaum untersucht. Vor allem Labor- und Tierversuche oder theoretische Überlegungen; ob es hilft, ist offen. [1][2]
  • Bei Nierensteinen: Calcium zum Essen, weniger Salz, viel trinken Calcium nicht meiden, sondern zu den Mahlzeiten aufnehmen, etwa über Milchprodukte. Salz und große Mengen tierisches Eiweiß reduzieren, über den Tag verteilt viel trinken. Sehr oxalatreiche Lebensmittel nur in Maßen. Gut belegt So bewerten wir die Studienlage Gesichert Empfehlung in ärztlichen Leitlinien oder mehrere übereinstimmende Meta-Analysen randomisierter Studien am Menschen. Gut belegt Mehrere randomisierte Studien am Menschen mit überwiegend gleichem Ergebnis. Vielversprechend Einzelne randomisierte oder kontrollierte Studien am Menschen, noch nicht unabhängig bestätigt – oder viele übereinstimmende Beobachtungsstudien. Plausibel Zwei Fälle: erste Beobachtungs- oder Pilotstudien mit kleinen Fallzahlen – oder eine gesicherte Grundlage, die fachlich unbestritten ist, etwa Bewegung, Schlaf oder Esspausen. Am Menschen aber nicht an Beschwerden geprüft. Experimentell Am Menschen kaum untersucht. Vor allem Labor- und Tierversuche oder theoretische Überlegungen; ob es hilft, ist offen. [3]
  • Abwechseln statt konzentrieren Spinat, Mangold und Rhabarber sind gesund, aber nicht jeden Tag literweise als Saft oder Smoothie. Zusammen mit etwas Calcium, etwa Joghurt oder Käse, wird weniger Oxalat aufgenommen. Plausibel So bewerten wir die Studienlage Gesichert Empfehlung in ärztlichen Leitlinien oder mehrere übereinstimmende Meta-Analysen randomisierter Studien am Menschen. Gut belegt Mehrere randomisierte Studien am Menschen mit überwiegend gleichem Ergebnis. Vielversprechend Einzelne randomisierte oder kontrollierte Studien am Menschen, noch nicht unabhängig bestätigt – oder viele übereinstimmende Beobachtungsstudien. Plausibel Zwei Fälle: erste Beobachtungs- oder Pilotstudien mit kleinen Fallzahlen – oder eine gesicherte Grundlage, die fachlich unbestritten ist, etwa Bewegung, Schlaf oder Esspausen. Am Menschen aber nicht an Beschwerden geprüft. Experimentell Am Menschen kaum untersucht. Vor allem Labor- und Tierversuche oder theoretische Überlegungen; ob es hilft, ist offen. [4]
  • Pflanzenvielfalt behalten Hülsenfrüchte, Vollkorn, Nüsse, Tomaten und Gemüse nicht wegen Online-Listen streichen. Wer einzelne Lebensmittel schlecht verträgt, testet sie gezielt, statt ganze Gruppen zu meiden. Vielversprechend So bewerten wir die Studienlage Gesichert Empfehlung in ärztlichen Leitlinien oder mehrere übereinstimmende Meta-Analysen randomisierter Studien am Menschen. Gut belegt Mehrere randomisierte Studien am Menschen mit überwiegend gleichem Ergebnis. Vielversprechend Einzelne randomisierte oder kontrollierte Studien am Menschen, noch nicht unabhängig bestätigt – oder viele übereinstimmende Beobachtungsstudien. Plausibel Zwei Fälle: erste Beobachtungs- oder Pilotstudien mit kleinen Fallzahlen – oder eine gesicherte Grundlage, die fachlich unbestritten ist, etwa Bewegung, Schlaf oder Esspausen. Am Menschen aber nicht an Beschwerden geprüft. Experimentell Am Menschen kaum untersucht. Vor allem Labor- und Tierversuche oder theoretische Überlegungen; ob es hilft, ist offen. [5][6]

Natürliche Supplemente

Nahrungsergänzung ersetzt keine Abklärung. Dosierung und Wechselwirkungen besprich mit Ärztin, Arzt oder Apotheke.

  • Vitamin C nicht hochdosiert auf Dauer Der Körper baut einen Teil von Vitamin C zu Oxalat um. In Fallberichten trug hochdosiertes Vitamin C zu Oxalat-Nierenschäden bei. Wer Nierensteine hatte oder eine Nierenschwäche hat, sollte hohe Dosen mit der Praxis besprechen. Plausibel So bewerten wir die Studienlage Gesichert Empfehlung in ärztlichen Leitlinien oder mehrere übereinstimmende Meta-Analysen randomisierter Studien am Menschen. Gut belegt Mehrere randomisierte Studien am Menschen mit überwiegend gleichem Ergebnis. Vielversprechend Einzelne randomisierte oder kontrollierte Studien am Menschen, noch nicht unabhängig bestätigt – oder viele übereinstimmende Beobachtungsstudien. Plausibel Zwei Fälle: erste Beobachtungs- oder Pilotstudien mit kleinen Fallzahlen – oder eine gesicherte Grundlage, die fachlich unbestritten ist, etwa Bewegung, Schlaf oder Esspausen. Am Menschen aber nicht an Beschwerden geprüft. Experimentell Am Menschen kaum untersucht. Vor allem Labor- und Tierversuche oder theoretische Überlegungen; ob es hilft, ist offen. [7]

Medizinische Eingriffe

Information, keine Behandlungsempfehlung. Entscheide gemeinsam mit einer Ärztin oder einem Arzt. Zulassung und Verfügbarkeit unterscheiden sich je nach Land.

  • Nach einem Nierenstein den Urin untersuchen lassen Eine Steinanalyse und ein 24-Stunden-Urin zeigen, ob zu viel Oxalat, zu wenig Zitrat oder zu viel Calcium dahintersteckt. Erst dann lohnt eine gezielte Diät. Vielversprechend So bewerten wir die Studienlage Gesichert Empfehlung in ärztlichen Leitlinien oder mehrere übereinstimmende Meta-Analysen randomisierter Studien am Menschen. Gut belegt Mehrere randomisierte Studien am Menschen mit überwiegend gleichem Ergebnis. Vielversprechend Einzelne randomisierte oder kontrollierte Studien am Menschen, noch nicht unabhängig bestätigt – oder viele übereinstimmende Beobachtungsstudien. Plausibel Zwei Fälle: erste Beobachtungs- oder Pilotstudien mit kleinen Fallzahlen – oder eine gesicherte Grundlage, die fachlich unbestritten ist, etwa Bewegung, Schlaf oder Esspausen. Am Menschen aber nicht an Beschwerden geprüft. Experimentell Am Menschen kaum untersucht. Vor allem Labor- und Tierversuche oder theoretische Überlegungen; ob es hilft, ist offen. [3][8]
  • Nach Darm-Operation oder bei Fettstuhl an Oxalat denken Wer Morbus Crohn mit Dünndarmbefall, einen verkürzten Darm, eine Bauchspeicheldrüsen-Schwäche oder einen Magenbypass hat, sollte die Praxis auf die Oxalat-Werte im Urin ansprechen. Hier sind Kost und Calcium-Gabe ärztlich zu planen. Gut belegt So bewerten wir die Studienlage Gesichert Empfehlung in ärztlichen Leitlinien oder mehrere übereinstimmende Meta-Analysen randomisierter Studien am Menschen. Gut belegt Mehrere randomisierte Studien am Menschen mit überwiegend gleichem Ergebnis. Vielversprechend Einzelne randomisierte oder kontrollierte Studien am Menschen, noch nicht unabhängig bestätigt – oder viele übereinstimmende Beobachtungsstudien. Plausibel Zwei Fälle: erste Beobachtungs- oder Pilotstudien mit kleinen Fallzahlen – oder eine gesicherte Grundlage, die fachlich unbestritten ist, etwa Bewegung, Schlaf oder Esspausen. Am Menschen aber nicht an Beschwerden geprüft. Experimentell Am Menschen kaum untersucht. Vor allem Labor- und Tierversuche oder theoretische Überlegungen; ob es hilft, ist offen. [8]
  • Salicylat-Diät nur kurz und begleitet Bei nachgewiesener Aspirin-Unverträglichkeit kann ein kurzer, begleiteter Versuch sinnvoll sein, mit Wiedereinführen danach. Ohne diesen Hintergrund sind salicylatarme Diäten bei Darmbeschwerden nicht belegt. Plausibel So bewerten wir die Studienlage Gesichert Empfehlung in ärztlichen Leitlinien oder mehrere übereinstimmende Meta-Analysen randomisierter Studien am Menschen. Gut belegt Mehrere randomisierte Studien am Menschen mit überwiegend gleichem Ergebnis. Vielversprechend Einzelne randomisierte oder kontrollierte Studien am Menschen, noch nicht unabhängig bestätigt – oder viele übereinstimmende Beobachtungsstudien. Plausibel Zwei Fälle: erste Beobachtungs- oder Pilotstudien mit kleinen Fallzahlen – oder eine gesicherte Grundlage, die fachlich unbestritten ist, etwa Bewegung, Schlaf oder Esspausen. Am Menschen aber nicht an Beschwerden geprüft. Experimentell Am Menschen kaum untersucht. Vor allem Labor- und Tierversuche oder theoretische Überlegungen; ob es hilft, ist offen. [9][10]

Aus der Community: Was Betroffene berichten

Erfahrungen und Tipps von Betroffenen, die immer wieder auftauchen, für die es aber noch keine aussagekräftigen Studien gibt. Sie sind ausdrücklich kein Beleg.

  • Oxalat-Dumping nach oxalatärmerer Kost

    Viele berichten, Wochen bis Monate nach dem Weglassen oxalatreicher Lebensmittel – etwa beim Wechsel zu Carnivore oder Keto – Beschwerden zu bekommen, die sie als „Oxalat-Dumping“ deuten: juckende oder rote Hautstellen, Gelenk- und Muskelschmerzen, Nieren- und Blasenbeschwerden, Unruhe und Konzentrationsprobleme. Genannte Verläufe reichen von Wochen bis zu mehreren Jahren, am längsten bei vorher sehr oxalatreicher Ernährung. Als Umgang beschreiben sie, oxalatreiche Kost nicht abrupt wegzulassen, sondern über Wochen schrittweise zu verringern und kleine Mengen bewusst beizubehalten; Kalzium und Magnesium gelten dort als „Binder“, ebenso Epsom-Salz-Bäder. Ein Teil der Community hält das Phänomen für real, ein anderer für eine Sammelerklärung für alles Unerklärliche beim Diätwechsel. Wer schon Nierensteine hatte, findet in diesen Listen keinen sicheren Rahmen – eine so enge Kost gehört ärztlich begleitet.

    Beleglage: keine Studien Wo berichtet wird: r/carnivorediet (Reddit-Community),r/Oxalate (Reddit-Community),Ketogenic Forums (Forum)

  • Salicylat-Empfindlichkeit und die Schwefel-These

    In Kreisen zu Mastzell- und Histaminproblemen ist die Überzeugung verbreitet, eine gestörte Schwefelverwertung baue Salicylate und Phenole schlechter ab, weshalb Salicylat-, Histamin- und Oxalat-Empfindlichkeit zusammen aufträten. Als hilfreich gelten dort Epsom-Salz-Bäder, MSM, Molybdän und Glycin; die Rückmeldungen sind uneinheitlich, manche berichten, dass es ihnen mit Schwefelgaben sogar schlechter ging. Auffällig ist, dass viele Betroffene auch Nicht-Lebensmittel-Quellen nennen, etwa Zahnpasta, Kosmetik und Duftstoffe, und die Zusatzstoffe in den Mittelpunkt stellen.

    Beleglage: keine Studien Wo berichtet wird: r/salicylateIntolerance (Reddit-Community),r/MCAS (Reddit-Community),Phoenix Rising (Forum für ME/CFS)

  • Lektine als „Pflanzentoxine“

    Wiederkehrend ist die Erzählung, „Pflanzentoxine“ – Lektine, Oxalate, Phytate, Saponine, Alkaloide – seien die Ursache von Verdauungs- und Autoimmunbeschwerden, und ihre Vermeidung heile. Sie taucht vor allem in Carnivore- und AIP-nahen Kreisen auf, meist als ein Baustein neben Oxalaten und mit Verweis auf ein populäres Buch zum Thema. In denselben Gemeinschaften wird sie aber auch offen bestritten, mit dem Hinweis auf fehlende Belege und darauf, dass „Antinährstoffe“ als Schlagwort vieles gleichzeitig erklären könne.

    Beleglage: widersprüchlich Wo berichtet wird: r/carnivorediet (Reddit-Community),r/AutoImmuneProtocol (Reddit-Community),Carnivore Talk (Forum)

Erfahrungsberichte können täuschen: Was vielen hilft, kann Placebo sein, und was einem hilft, kann anderen schaden. Nimm sie als Anregung für Fragen an Ärztin, Arzt oder Apotheke – nicht als Anleitung.

Lust auf etwas ganz anderes? Noch eins, zufällig

So bewerten wir die Studienlage
Vertrauens-Score 5 von 5:Gesichert
Empfehlung in ärztlichen Leitlinien oder mehrere übereinstimmende Meta-Analysen randomisierter Studien am Menschen.
Vertrauens-Score 4 von 5:Gut belegt
Mehrere randomisierte Studien am Menschen mit überwiegend gleichem Ergebnis.
Vertrauens-Score 3 von 5:Vielversprechend
Einzelne randomisierte oder kontrollierte Studien am Menschen, noch nicht unabhängig bestätigt – oder viele übereinstimmende Beobachtungsstudien.
Vertrauens-Score 2 von 5:Plausibel
Zwei Fälle: erste Beobachtungs- oder Pilotstudien mit kleinen Fallzahlen – oder eine gesicherte Grundlage, die fachlich unbestritten ist, etwa Bewegung, Schlaf oder Esspausen. Am Menschen aber nicht an Beschwerden geprüft.
Vertrauens-Score 1 von 5:Experimentell
Am Menschen kaum untersucht. Vor allem Labor- und Tierversuche oder theoretische Überlegungen; ob es hilft, ist offen.

Quellen

  1. EFSA 2026: Gesundheitsrisiken durch Pflanzenlektine in Lebensmitteln, Zusammenfassung des Gutachtens (EFSA Journal)
  2. Watier-Grillot et al. 2023: Ausbruch durch untergegarte Kidneybohnen in einer Kantine, 200 Erkrankte (Toxins)
  3. Borghi et al. 2002: Zwei Diäten zur Vorbeugung von Calciumoxalat-Steinen, 120 Männer über 5 Jahre (New England Journal of Medicine)
  4. Chaudhari et al. 2022: Akute Oxalat-Nierenschädigung durch Gemüsesäfte, Fallbericht (Case Reports in Nephrology)
  5. Petroski und Minich 2020: Gibt es „Antinährstoffe“? Übersicht zu Lektinen, Oxalat und anderen Pflanzenstoffen (Nutrients)
  6. Darmadi-Blackberry et al. 2004: Hülsenfrüchte und Überleben im Alter in fünf Kohorten (Asia Pacific Journal of Clinical Nutrition)
  7. Bothara et al. 2024: Akute Oxalat-Nephropathie durch Oxalat oder Vitamin C aus der Nahrung, zwei Fälle (CEN Case Reports)
  8. Witting et al. 2021: Enterische Hyperoxalurie, Entstehung und Behandlung, systematische Übersicht (Clinical Journal of the American Society of Nephrology)
  9. Skypala et al. 2015: Empfindlichkeit gegen Zusatzstoffe, biogene Amine und Salicylate, Übersicht (Clinical and Translational Allergy)
  10. Sowerby et al. 2021: Salicylatarme Kost bei Aspirin-Unverträglichkeit mit Atemwegsbeteiligung, 7 Personen (Journal of Otolaryngology)
  11. Kaufman et al. 2008: Oxalobacter formigenes und das Risiko für Calciumoxalat-Steine (Journal of the American Society of Nephrology)
  12. Kelly et al. 2011: Was die Besiedlung mit Oxalobacter formigenes beeinflusst, 240 Erwachsene (Journal of Endourology)
  13. Janssen et al. 1996: Salicylat-Ausscheidung im Urin zeigt geringe Mengen in der Nahrung (American Journal of Clinical Nutrition)

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